Ein Mitglied des Flämischen Parlaments hat einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der eine Verfassungsänderung zum Schutz der korrekten Schreibweise des Wortes “Kartoffel” fordert, nachdem die Autokorrektur auf seinem Parlamentslaptop das Wort mitten in einer im Fernsehen übertragenen Rede über die Reform der Agrarsubventionen in “Kartofffel” geändert hatte.
Der Abgeordnete, der einen kartoffelanbauenden Wahlkreis in Westflandern vertritt und darum gebeten hat, bis zu dem, was er “die vollständige linguistische Untersuchung” nannte, nicht namentlich genannt zu werden, war vierzig Minuten in eine leidenschaftliche Ansprache über die Zukunft der Frühkartoffel Bintje vertieft, als der öffentliche Bildschirm der Kammer, der von seinem Laptop gespeist wurde, geräuschlos ein “f” an das Wort anhängte.
“Zuerst hat es niemand bemerkt,” erzählte ein befreundeter Abgeordneter dieser Zeitung. “Dann hat ein Journalist auf der Pressetribüne hörbar nach Luft geschnappt. Dann fing die Grüne-Fraktion an zu lachen. Dann fing die N-VA an, über das Lachen der Grünen zu lachen. Dann artete die ganze Sache in einen Verfahrensstreit darüber aus, wessen Autokorrektur es eigentlich war.”
“Das ist ein Angriff auf die flämische Seele”
In einer am späteren Nachmittag veröffentlichten Erklärung beschrieb der Abgeordnete den Vorfall als “einen Angriff auf die flämische Seele, auf die Würde der Bintje und auf das Prinzip, dass die Textverarbeitung eines Mannes seine Rede über eine Knolle nicht geräuschlos umschreiben sollte.”
Der Antrag, von elf Abgeordneten aus drei Parteien mitunterzeichnet, verlangt, dass die korrekte Schreibweise von “Kartoffel” unter einem neuen Artikel 11 ter in die belgische Verfassung aufgenommen wird und dass sämtliche von der Regierung ausgegebene Software so konfiguriert werden muss, dass sie nur flämisch-niederländische Schreibweisen landwirtschaftlicher Fachbegriffe akzeptiert.
Die frankophonen Parteien haben Einspruch erhoben, nicht gegen die Schreibweise von “Kartoffel” (über die sie weitgehend einig sind, dass sie “pomme de terre” lautet, obwohl ein PS-Abgeordneter anmerkte, es sei “nicht unser Problem”), sondern gegen das Prinzip, landwirtschaftliches Vokabular überhaupt in die Verfassung aufzunehmen.
Ein verfassungsrechtlicher Präzedenzfall und eine Warnung
Verfassungsjuristen warnten, dass die Änderung, falls sie verabschiedet würde, die Tür zu weiteren linguistischen Verfestigungen öffnen könnte. “Heute ist es die Kartoffel,” sagte Prof. Margaux Devreker von der ULB. “Morgen ist es die Mayonnaise. Bis zum Herbst haben wir die korrekte Aussprache von ‘Brüssel’ verankert und das Land bricht zusammen.”
Die Kammer wird voraussichtlich im September über den Antrag debattieren. Das Büro des Abgeordneten hat bestätigt, dass er seine nächste Rede, vorsichtshalber, von handgeschriebenen Notizen aus halten wird.